Konzept & Projekte
Aus Analyse werden konkrete Entwicklungsfelder.
Sieben Projekte zur strukturierten Weiterentwicklung der Patientensicherheit in der GKV.
Ausgangspunkt
Patientensicherheit gestalten — nicht nur beobachten.
Ein Patientensicherheitsbeauftragter einer Krankenkasse hat die Aufgabe, die Versorgungssicherheit der Versicherten aktiv zu gestalten, Risiken zu minimieren und die Behandlungsqualität zu fördern. Im Fokus steht dabei die strukturelle Verbesserung sicherer Versorgungsstrukturen und die Reduzierung von Behandlungsfehlern im Gesamtsystem.
Entwicklungsfelder
Konkrete Projekte zur Weiterentwicklung der Patientensicherheit.
Von der strukturierten Analyse über Netzwerkarbeit und Lehre bis zur multimedialen Kommunikation — aufeinander aufbauend und anschlussfähig.
Projekte
Die sieben Entwicklungsfelder im Überblick.
Projekt 1
Aufbau eines strukturierten Netzwerkes für Patientensicherheitsbeauftragte
Aufbau eines festen, institutionsübergreifenden Netzwerks von Patientensicherheitsbeauftragten aus Kliniken, Universitätskliniken etc. zur Förderung eines strukturierten Austausches und zur gezielten Entwicklung und Verbreitung von Lernfällen, Lernmaterialien, Vorträgen u. a.; fachärztlicher kollegialer Austausch auf Augenhöhe.
Erkenntnisse aus Behandlungsfehlerlfällen sowie relevante Patientensicherheitsinformationen liegen häufig isoliert in einzelnen Einrichtungen oder Systemen vor. Ein systematischer Austausch zwischen verantwortlichen Akteuren findet bislang nur eingeschränkt statt, wodurch wertvolle Lernpotenziale nicht ausgeschöpft werden.
Die Techniker Krankenkasse initiiert und moderiert ein Netzwerk von Patientensicherheitsbeauftragten aus Kliniken und Universitätskliniken. Zentrale Elemente: regelmäßige strukturierte Austauschformate, anonymisierte Lernfälle, gemeinsame Standards zur Fallanalyse, Aufbau eines geschützten digitalen Raums für Wissensaustausch.
Stärkung der Rolle als aktiver Gestalter und Vorreiter einer zukunftsorientierten Patientensicherheit. Beitrag zur Reduktion vermeidbarer Schadensfälle und Folgekosten. Aufbau eines nachhaltigen, fachlichen Netzwerks mit Multiplikatorwirkung.
Projekt 2
Verständliche Vermittlung von Patientensicherheitsmaßnahmen durch Expertenformate
Vermittlung von Patientensicherheit in Kliniken in verständlicher, praxisnaher Form für Versicherte und Mitarbeitende.
Maßnahmen zur Patientensicherheit sind häufig komplex und für Laien schwer nachvollziehbar. Gleichzeitig besteht ein hoher Bedarf an Orientierung, Transparenz und Vertrauen in Versorgungsstrukturen.
Aufbau einer strukturierten Interview- und Informationsreihe, in der zentrale Aspekte der Patientensicherheit verständlich aufbereitet und eingeordnet werden. Interviews mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten, Erklärung konkreter Sicherheitsmaßnahmen im klinischen Alltag.
Stärkung von Vertrauen und Transparenz gegenüber Versicherten. Verbesserung der Gesundheitskompetenz. Positionierung als kompetente und verlässliche Ansprechpartnerin im Bereich Patientensicherheit.
Projekt 3
Integration anonymisierter Fallspenden in medizinische Lehre und Weiterbildung
Systematische Integration anonymisierter, validierter Behandlungsfehlerfälle („Fallspenden") in medizinische Lehr- und Weiterbildungsformate zur nachhaltigen Verbesserung der Patientensicherheit und damit Kostensenkung für die GKV.
Reale Schadensfälle mit hoher klinischer und gesundheitsökonomischer Relevanz werden bislang nur begrenzt strukturiert für Aus- und Weiterbildungszwecke genutzt. Gleichzeitig besteht ein hoher Bedarf an praxisnahen, fallbasierten Lernformaten, die über theoretisches Wissen hinausgehen.
Gemeinsame Weiterentwicklung anonymisierter Fallspenden in Zusammenarbeit mit erfahrenen medizinischen Fachverantwortlichen. Strukturierte Aufbereitung realer Fälle, didaktische Aufarbeitung für unterschiedliche Ausbildungsniveaus, Integration in bestehende Lehrformate.
Der „Fall Anni" kann hier beispielhaft zur Entwicklung genutzt werden und bildet die Grundlage für das Konzept der fallbezogenen anonymisierten Datenspende zu Lernzwecken (faDzL) — ein bislang einzigartiges Projekt.
Projekt 4
Systematische Auswertung von Behandlungsfehlerarten zur Weiterentwicklung von Lehre und Fortbildung über den VDEK
Strukturierte Erfassung und Auswertung von Behandlungsfehlern nach Art, Häufigkeit und Kontext zur Ableitung konkreter Maßnahmen für medizinische Ausbildung und Facharztweiterbildung.
Behandlungsfehler werden in verschiedenen Systemen erfasst und ausgewertet, jedoch erfolgt die systematische Rückkopplung in Aus- und Weiterbildungsstrukturen bislang nur eingeschränkt. Dadurch bleiben wiederkehrende Muster und relevante Risikokonstellationen häufig ohne direkten Einfluss auf Lehrinhalte und Qualifizierungsmaßnahmen.
Aufbau eines strukturierten Auswertungssystems (ggf. gemeinsam mit anderen Kassen über den VDEK). Klassifikation von Behandlungsfehlern nach Art, Erfassung von Häufigkeiten und wiederkehrenden Mustern, Verknüpfung mit gesundheitsökonomischen Aspekten.
Langfristig kann ein kontinuierliches Feedback-System entstehen, das aktuelle Entwicklungen in der Versorgungsrealität abbildet und eine dynamische Anpassung von Ausbildungs- und Weiterbildungsinhalten ermöglicht.
Projekt 5
Strukturierte Beteiligung von Mitarbeitern und Versicherten
Frühzeitige Identifikation relevanter Problemfelder, Ergänzung bestehender Analysen durch praxisnahe Perspektiven, Förderung einer offenen, lernorientierten Sicherheitskultur.
Strukturierte Möglichkeit zur Einbringung von Anregungen, Beobachtungen und Verbesserungsvorschlägen aus Praxis und Versorgung — von Mitarbeitern und Versicherten gleichermaßen.
Patientensicherheit gemeinsam als dynamischen, partizipativen Prozeß gestalten, der kontinuierlich durch Erfahrungen aus Praxis und Versorgung ergänzt wird. Mitarbeiter fungieren als Multiplikator.
Projekt 6
Unterstützung der Mitarbeiterkrankenversicherung
Ein zentraler Bestandteil meines Ansatzes ist die gezielte Unterstützung der Mitarbeiterkrankenversicherung im Umgang mit Behandlungsfehlern. Durch meine medizinische Expertise und Erfahrung in der Bearbeitung von Behandlungsfehlern kann ich als fachliche Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen und Fälle kontinuierlich begleiten.
Enge Begleitung einzelner Fälle von der ersten Einordnung bis zur abschließenden Bewertung. Fachliche Unterstützung bei der Bewertung komplexer medizinischer Sachverhalte. Auf Wunsch Gesprächsmöglichkeit für betroffene Mitarbeiter zur Erläuterung medizinischer Sachverhalte bei vermuteten Behandlungsfehlern.
Entlastung der Mitarbeitenden im täglichen Umgang mit komplexen Fallkonstellationen und gleichzeitig nachhaltige Stärkung der Qualität in der Fallbearbeitung.
Projekt 7
Multimediale Vermittlung von Patientensicherheit
Zur gezielten Vermittlung von Patientensicherheit werden strukturierte, zielgruppengerechte Kommunikationsformate entwickelt, die komplexe Inhalte verständlich aufbereiten und für Versicherte sowie Mitarbeitende zugänglich machen.
Die Inhalte sind bewußt lösungsorientiert ausgerichtet und tragen gezielt dazu bei, Vertrauen in medizinische Versorgung sowie in die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu stärken, indem sie bestehende Sicherheitsstrukturen sichtbar machen und nachvollziehbar erklären.
Die Inhalte können in Blog-, Podcast- und Social-Media-Formate verknüpft werden und bereits vorhandenes Material für Aufklärung und Prävention aufgreifen und nutzen.
Projekte im Zusammenspiel
Die Entwicklungsfelder und Projektthemen greifen ineinander:
Behandlungsfehlerwissen, Versorgungsdaten und klinische Erfahrungen werden medizinisch und gesundheitsökonomisch bewertet, in Zusammenarbeit mit Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen in konkrete Maßnahmen übersetzt und anschließend auf ihre Wirkung geprüft.
So entsteht ein kontinuierlicher Kreislauf:
Verstehen, bewerten, entwickeln, erproben, messen und lernen.
Haltung
Sicherheit ist kein Vorwurf — sie ist eine gemeinsame Aufgabe.
Patientensicherheit ist kein Vorwurf an medizinisches oder pflegendes Personal. Sie gelingt nur gemeinsam mit den Menschen, die Versorgung täglich leisten.
Es geht nicht um Schuldzuweisung, sondern um methodisches Lernen aus geeigneten Behandlungsfehlern — und um die strukturelle Weiterentwicklung einer Versorgung, der alle vertrauen können.
Nächste Schritte
Bereit für den Austausch.
Die dargestellten Projekte sind anschlussfähig, skalierbar und können schrittweise entwickelt werden. Für Rückfragen, Austausch oder die gemeinsame Weiterentwicklung stehe ich gerne zur Verfügung.